Ein besonderer Ring

Diesen als Paar, bitte

Ein Mitbringsel der besonderen Art.

Ringe liebe ich. Herausforderungen liebe ich. Also ein besonderer Ring? Prima!
Mein Netzwerk ist gut und ich bin neugierig. Geht nicht gibt es nicht. Wer also etwas Besonderes sucht, der ist mir immer sehr willkommen. Ja, genau! Man sollte vorsichtig sein, mit dem, was man sich wünscht – es könnte wahr werden!

Im letzten Sommer kommt der Prinz von Hohenzollern aus England in meine Werkstatt und sagt: „Guten Tag, liebe Frau Schwalm, ich bräuchte ein Mitbringsel, ein Ring mit Safir-Cabochon und einer Parade von zwei champagnerfarbenen Brillanten, die nicht zu winzig sind, also je 2 Karat oder so. Das ganze in Feingold montiert. Sie haben reichlich Zeit, ich brauche das erst in drei Wochen.“
Ich hatte gar keine Zeit einen Herzinfarkt zu bekommen, ich fing an zu telefonieren.

Hier ist die erste Skizze des Projektes:

Skizze des Safir-Brillantringes

Skizze des Safir-Brillantringes

Der Mittelstein, also der Safir, soll ja ein Cabochon sein. Das bedeutet: gleich zwei Herausforderungen. Die erste ist, dass die Brillanten nach unten in die Ringschiene hineinragen, der Cabochon aber keinen Körper hat, der nach unten geht. Er sollte anders eingefasst werden als die Brillanten, ohne dass ein Bruch in der Gestaltung entsteht. Die weitere Herausforderung besteht darin, dass der Safir eine exzellente Qualität haben soll. Es gibt viele sehr schöne Safir-Cabochons. Das Problem bei sehr schönen aber nicht exzellenten Cabouchons ist, dass sich das Blau lediglich an einer Stelle im Stein befindet. Der eher helle bis durchsichtige restliche Stein leuchtet lediglich durch diese eine intensiv blaue Stelle bläulich. Schaut man den Stein von einer anderen Seite an, dann ist er nicht mehr leuchtend Blau, dann wirkt er im schlimmsten Fall fleckig. Das ist dann keine exzellente Qualität. Bei exzellenter Qualität ist eine gleichmässige Färbung in einem leuchtenden Blau im ganzen Stein vorhanden. Steine dieser Qualität werden zur Zeit lediglich zu facettierten Steinen geschliffen, nicht zu Cabochons. Ich habe also mein Netzwerk strapaziert. Da ich mehrfach gehört habe, so einen Stein müsse ich einschleifen lassen (man Bedenke die Größe von über 5ct), habe ich mich um Alternativen gekümmert.

Auswahl an Cabochons

Auswahl an Cabochons

All diese wunderschönen Cabochons sind es nicht geworden.

Ich habe gefahndet –

von Hamburg bis München – und in einem kleinen Dorf in der Nähe von Idar-Oberstein bin ich fündig geworden.

Der Safir Cabochon

Der Safir Cabochon

Die beiden Brillanten, die den Safir rechts und links flankieren, sollen jeweils minimum zwei Karat haben. Es sollen, wie erwähnt, die (nicht nur von mir so geliebten) champagnerfarbenen Brillanten sein. Aber diese Steine sollen in einer, dem Safir entsprechenden, Qualität sein. Alle, die meine „Kleine Diamantenkunde“ durchgeschaut haben, wissen, was dieser harmlose Satz für eine Aufgabe bedeutet: Brillanten sind ein Naturprodukt. Und ich bin nun auf der Suche nach einem Paar Brillanten, das das gleiche Feuer besitzt, die gleiche helle Farbigkeit hat und in Grösse, Gewicht, Reinheit und Schliff ein Paar ergibt. Der Champagner-Farbton ist ganz zart, der Brillant hat ein lebendiges Feuer, dieser Stein ist es – er braucht lediglich noch das passende Gegenstück.
Diesmal war es einer meiner Diamanthändler, der seine Kontakte von Antwerpen bis Asien strapazieren musste.

Diesen als Paar, bitte

Diesen als Paar, bitte

 

Zu Guter Letzt sollte die Ringschiene ja auch etwas Besonderes und Edles sein.
Sie sollte aus Feingold sein, also aus purem Gold.
Eine Ringschiene dieser Art baue ich nicht mal eben so. Da ist es gut, wenn es Wachsmodelle gibt, die die gewünschte Form zeigen und die dem Kunden (und mir!) die Sicherheit geben, dass die Steine in dieser Ringschiene gut aufgehoben sind und der Ring, mit seiner leichten Bombierung innen, passt und gefällt.

Wachsmodelle

Wachsmodelle

Und mit 3D Druck ist das individuell und passgenau möglich. Hier sind die verbliebenen Wachsmodelle zu sehen – sie sind mit einem Rutilquarz und Citrinen, beziehungsweise einem Morganit und Amethysten kombiniert.

Jetzt ist es doch einfach, das Wachs braucht lediglich noch gegossen werden, oder? Mein Giesser meinte: „Feingold, nun, da müssen Sie warten, da gibt es nicht so viel…“. Das Problem ist, für den Guss braucht es eine gewisse Menge Gold, um sicher zu sein, dass der Guss optimal wird. Wenn es eine Form ist, die nicht so viel Gold benötigt, dann ist es möglich, dass das Gold erstarrt, bevor es in der letzten Ecke ist.

Hatte ich erwähnt, dass das ganze Projekt einen engen zeitlichen Rahmen hatte?

Mein Vorschlag war, er möge was ihm einfällt dazu packen und – himmeldonnerundgranaten – diesen Ring gießen. Wir arbeiten Gott-sei-Dank schon länger zusammen…
Das Problem war bei genauerem Hinsehen aber gar keines. Mein Giesser hatte mit einer filigranen Form gerechnet („Feingold, da sparen die Leut‘ doch immer!“), diesen Ring konnte er als Einzelform gießen.

Ringschiene

Ringschiene

Dies Farbe…
Dieses Material…

Diese Steine!

Fassarbeiten

Fassarbeiten

Fassarbeiten fast fertig

Fassarbeiten fast fertig

Das Ergebnis:

Safir-Brillant-Ring

Safir-Brillant-Ring im Schmuckkästchen

Und hier im Detail:

Safir-Brillant-Ring

Safir-Brillant-Ring


Das Video und (zum Teil) die Fotos sind von witefield – herzlichen Dank!

Und ich bin stolz und dankbar für das mir entgegengebrachte Vertrauen, diesen wirklich besondereren Ring herstellen zu dürfen!

Was für ein Mitbringsel!