Schachspiel

Mai 2010

Beim internationalen XIV. Benvenuto-Cellini Wettbewerb wurde ich am 8. Mai 2010 in Wien mit einer Medaille ausgezeichnet!

Der Zentralverband der Deutschen Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere e.V. und die Bundesinnung Österreich sind Veranstalter des Benvenuto-Cellini-Wettbewerbs 2010. Die Verleihung fand im Eschenbach-Palais in Wien statt. Die Arbeiten wurden anschließend in Augsburg und München gezeigt.

Den Cellini Wettbewerb gibt es seit 1964, er soll den hohen Stellenwert der Goldschmiedekunst bewahren und trägt daher den Namen des berühmten Italieners.

Den Preis habe ich in der Kategorie „Frühling in Wien“ für das Schachspiel erhalten, das oben zu sehen ist.

 

Die Figuren sind aus Silber und das Brett aus Granit. Das Spiel selbst ist nicht verkäuflich, aber ich kann es reproduzieren. Bei Interesse schreiben Sie mir bitte eine eMail.

Pressespiegel:
Langener Zeitung (Offenbach Post)
Fachzeitschrift (Schmuckportal)

 

Alles Frauen, alle nackt. Natürlich stellt sich die Frage: “Wie kommt man auf eine so verrückte Idee?”

Bei Gesellschaftsspielen verliere ich.

Immer.
Wenn ich spiele, dann mit Freunden und bei Freunden kann ich im Spiel vielleicht auf meinen Vorteil bedacht sein, aber ich bin nicht in der Lage, auf deren Nachteil bedacht zu sein.
Ich bin einfach keine kühle Strategin.
Glücksspiele finde ich schnell langweilig, da braucht man ja nur Glück, das ist keine Herausforderung. So kommt es, dass ich selten spiele.
Schach, die Mutter aller Strategiespiele, habe ich in meiner Kindheit nicht gelernt. Aber nicht jeder gibt sich mit der Antwort “Schach kann ich nicht.” zufrieden. Also musste ich Schach lernen.
Es war klar.
Ich verlor. Wie immer.
Das Spiel selbst fand ich faszinierend. Nicht die Spielstrategie, die Herkunft der Spielfiguren. Ein Kriegsspiel, dass bis auf das äusserste abstrahiert und verdichtet ist.
Mit Bauern (-opfern, Fusssoldaten, eingeschränkt mobil),
Türmen (nicht mal die Kriegsarchitektur wurde übersehen),
Springer (Pferde, Reiter, Ritter, Mobilität) und Läufern (Kurier).
Und alles dreht sich natürlich um den König und die Königin.
Nachdem ich wieder einmal verloren hatte, maulte ich herum, dass das ein Spiel sei, dass nur mit Männern funktioniere. Frauen würden sich für so etwas nicht einspannen lassen. Und es sei sowieso nur eine Frau in dem ganzen Spiel vorhanden. Normalerweise bin ich keine verbiesterte Feministin, ich profitiere von dem Kampf, den Feministinnen vor mir geführt haben, bin ihnen dankbar, versuche aber normalerweise nicht ein besserer Mann zu sein. Aber wenn ich zum -zigsten Mal verloren habe, dann werde ich auch mal ungerecht.
Aber die Idee lies mich nicht mehr los. Wie würden diese Figuren als Frauen aussehen? Ja, das war der Anfang. Das Ergebnis ist auf dem Schachspiel zu sehen.
Die Verwundbarkeit und eingeschränkte Mobilität der Bauern spiegelt sich wieder in der sitzenden Position, in der sie als Bäuerinnen ihre langen Haare überkopf waschen. (Alleine durch ihre Haltung sind sie kleiner als die anderen Figuren. Ich habe mich dagegen entschieden, sie als Opfer darzustellen.)
Die Wehrhaftigkeit der Türme zeigt sich durch starke Frauen, die mit tüchtig Körperspannung dastehen und sich selbst und der Umgebung Halt geben.
Die Wendigkeit der Springer wird von Hexen auf ihrem Besen reitend dargestellt. Mobiler geht es nicht und die Hexe als Symbol ist eine (mögliche) Verdichtung alles Weiblichen.
Die Läufer sind Läuferinnen. Sie sind raumgreifende Figuren und mitten in der Bewegung eingefangen. Sie laufen.
Aber dann hatte ich ein Problem. Ich wollte nämlich keinen Mann in “meinem” Schachspiel.
Also eine Königin und eine Königin?
Das ging auch nicht.
Also doch wieder König und Königin. Aber den König als Frau. Bei einem Turm hatte ich mit der Darstellung ja auch kein Problem.
Wie aber unterscheidet sich der König als Frau von der Königin?
Das Problem löste sich sofort, als ich über die Funktion, die Aufgabe einer Königin nachdachte. Die Königin sichert die Nachkommen. Daher ist “meine” Königin hochschwanger.
Die König macht das, was sie am besten kann, regieren und repräsentieren.
Ich mag Schach.
Ich mag es nur nicht spielen.
Ich verliere.
Immer.